Dienstag, Oktober 24, 2017
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Aktuelles

Historie

Die geschichtliche Entwicklung des Kleingartenwesen in Krefeld

Dieser kurze geschichtliche Abriss der Entstehung der Kleingärten – von der lebensnotwendigen Versorgungsfläche der „Armen“ zum modernen „Freizeit- und Hobbygarten“ – zeigt die Entwicklung der Kleingartenbewegung in Krefeld auf und soll zum Verständnis des Kleingartenwesens in seinem heutigen Erscheinungsbild beitragen. Der eigentliche Begriff „Kleingarten“ war bis zur Fassung des Bundeskleingartengesetzes (BKleinG) am 01. April 1983, weder rechtlich noch funktional definiert (vgl. Friebis, 1986). Im Laufe seiner Geschichte waren für die Vorgänger der heute als Kleingarten bezeichneten Flächen verschiedene Definitionen und Benennungen bekannt, wie z. B. „Armengärten“, „Arbeitergärten“ oder „Schrebergärten“.

Die geschichtliche Entwicklung der Kleingärten Krefelds muss in einem Zusammenhang mit den jeweiligen sozialen, wirtschaftlichen und raummäßigen Verhältnissen gesehen werden. In Krefeld waren die Festungs- oder Bürgergärten außerhalb der Verteidigungsanlagen der mittelalterlichen und vorindustriellen Städte die Vorläufer der heutigen Kleingärten. Obwohl diese vom Stadtverband Krefeld der Kleingärtner e. V. belegte Entwicklungslinie von einer Reihe von Autoren angezweifelt wird, wurde sie jedoch in Gänze noch nicht widerlegt. Unbestritten dagegen ist, dass zur Entstehung der Kleingärten wesentlich die Industrialisierung der Stadt Krefeld durch die Webereien beigetragen hat. Verbundene Landflucht, das schnelle Wachstum von Krefeld und die damit verbundene wirtschaftliche Not vieler Bevölkerungsschichten, taten das Übrige dazu.

Bereits Anfang des 19. Jahrhundert wurde in Krefeld – armen Gemeindemitgliedern – Gartenland in privater Initiative, pachtweise zur Verfügung gestellt. Einerseits um zur Versorgung der Familien beizutragen – aber auch – um die bestehenden Armenkassen der Stadt Krefeld zu entlasten. Aufgrund des Siedlungsdruckes und der steigenden Bodenpreise, sowie der fehlenden rechtlichen Absicherung, waren die in Eigenleistung erstellten Kleingärten, meist nach kurzer Zeit wieder verschwunden – parallelen gibt es hinsichtlich der Bodenpreise heute noch.

Gartengelände - (c) Stadtverband Krefeld e.V.

Nach der Jahrhundertwende widmete sich vor allem die Verwaltung der Stadt Krefeld, der Schaffung von Kleingärten, da die inzwischen entstandenen Kleingartenorganisationen mit ihren Forderungen nach einem gesetzlichen Schutz, einen größeren politischen Stellenwert bekamen. Die Erzeugung von Obst und Gemüse trug zum Einen, erheblich zur Versorgung der Bevölkerung während der beiden Weltkriege bei. Zum anderen wurde die Art der Bodenbewirtschaftung durch Kleingärten, vom damaligen nationalsozialistischen Regime stark ideologisch vereinnahmt.

Die Normalisierung der Verhältnisse – bekannt durch das „Wirtschaftswunder“ – führte zunächst zu einem erheblichen Rückgang bzw. zur Stagnation der Bedarfe für Kleingärten. Aufgrund des wirtschaftlichen Aufschwunges, waren viele Menschen in der Lage – wobei ein Kleingarten oft den Wert der Anzahlung für ein Eigenheim darstellte – sich diesen Wunsch zu ermöglichen. Eine Notwendigkeit zur Selbstversorgung mit Obst und Gemüse bestand kaum noch. Der Entwicklung bzw. dieser Trend, veränderte sich in den letzten Jahren in Krefeld wieder. Obwohl der Wunsch nach einem Eigenheim noch immer groß war und ist. Eine intensive Diskussion um Natur- und Umweltschutz, Fehlentwicklungen im Städtebau in Krefeld, zunehmende Arbeitslosigkeit und die Einführung des Vorruhestandes, lassen den Kleingarten wieder modern werden.

Der Stadtverband Krefeld der Kleingärtner e. V. hat diese Entwicklung schon früh erkannt und sich entsprechend angepasst. Er erkannt, dass die Anzahl der „Selbstversorgergärten“ der Nachkriegszeit immer weniger wurden und das sich der Schwerpunkt der Gartenarbeit stark in Richtung Freizeit- und Erholungsnutzung bewegte. Ein erster Schritt – wenn auch nur ein bescheidener - wurde getan, in dem die alte „Garten- und Bauordnung“ vom 01. Mai 1968 – gemeinsam mit der Verwaltung der Stadt Krefeld – den neuen Bedingungen – durch die Garten- und Bauordnung vom 01. April 1987 – angepasst wurde.

Nisthilfen für Insekten - (c) Stadtverband Krefeld e.V.

Ein großer Schritt erfolgte mit der Anpassung der Garten- und Bauordnung vom 01. September 1998. Schwerpunkt dieser Anpassung war, dass die Krefelder Kleingartenanlagen und die darin befindlichen Kleingärten heute zum Gesamtbild der Stadt Krefeld gehören. Sie sind ein wichtiger Bestandteil des öffentlichen Grüns und leisten einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung des Lebensraumes für die Krefelder Bürgerinnen und Bürger.

Stark berücksichtigt wurden die Erfordernisse des Umweltschutzes, das Naturschutzes und der Landschaftspflege. Im Einklang mit der kleingärtnerischen Nutzung, haben sich die Kleingärten zu vielfältigen Lebensräumen für Pflanzen und Tiere entwickelt. Darüber hinaus übernehmen die Menschen in den Kleingärten in zunehmendem Maße sozialpolitische Aufgaben, in Form einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung und der Schaffung des Ausgleiches zur beruflichen Tätigkeit. Kleingärtnerin und Kleingärtner zu sein, ist heute eine Verpflichtung zu verantwortungsbewusstem Handeln im Umgang mit der Natur. Der Kleingarten in der heutigen Form, bietet den Nutzer – Familien die Möglichkeit, Obst und Gemüse für den Eigenbedarf durch Selbstarbeit zu gewinnen, aber insbesondere den Kleingarten zu Erholungszwecken zu nutzen. Allein durch die Öffnung der Kleingartenanlagen, wird den Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt die Möglichkeit gegeben, sich in Form eines Spazierganges durch die Anlagen, zu erholen und sich an der vielfältigen Pracht der Blumen und Sträuchern zu erfreuen.

Eine Stadt ohne Kleingärten – ist wie eine Suppe ohne Salz.
Deshalb müssen unsere Kleingärten heute und für die Zukunft erhalten bleiben.

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